Mag vielleicht etwas zu früh sein, aber das ist, was mir im ersten monat aufgefallen ist:
Infrastruktur:
Wenn man hier einkaufen oder überhaupt irgendwas unternehmen will braucht man definitiv ein Auto. Die Orte hier sind sehr weitläufig mit großen Rasen- und Asphaltflächen, Fahrradwege hören teilweise mittendrin auf und das Nahverkehrsnetz ist mit dem deutschen nicht zu vergleichen bzw. außerhalb vom Großraum Chicago kaum vorhanden. Deswegen fallen wir mit unseren Fahrrädern schon ordentlich auf. Es gab schon genug Leute, die uns auf der Straße zugejubelt haben.
Straßen:
...sind viel breiter als zu Hause aber dafür nicht immer in bestem Zustand. Ampeln hängen hinter der Kreuzung und man darf meistens bei rot rechts abbiegen. Was total bescheuert ist, sind die vielen Stopp-Schilder...und da hält wirklich jeder, auch wenn im Umkreis von 20 Meilen kein anderes Auto auf den Straßen ist.
Ob man rechts oder links überholt ist Wurst.
Autos:
Hier gilt das gleiche, wie für die Straßen: Mächtig groß und teilweise kurz vorm Auflösen. Jedes zweite Auto hört sich an als hätte es 2 Schiffsmotoren. Das krasseste Auto hab ich vor 2 oder 3 Wochen in Chicago gesehen (→ Bilder werden irgendwann nachgereicht).
Wegen dem schlechten Zustand der Straßen sind die Autos ziemlich weich gefedert. Mit einem Auto aus Deutschland hätte man hier auf den meisten Straßen nicht so viel Spaß. Und natürlich muss man sehr lange suchen, wenn man keinen Automatik fahren will.
Steuern:
Die Preise, die man im Laden sieht stimmen nicht ganz, denn an der Kasse kommt noch die Mehrwertsteuer drauf. Das ist ziemlich nervig, weil man das selbst ab und zu vergisst und weil es nicht einheitlich geregelt ist. Manche wenige Läden schreiben nämlich auch den Endpreis hin.
Lebensmittel:
Das schwierigste am Anfang, war es sich hier an den Geschmack der Milch zu gewöhnen. Das ist mittlerweile kein Problem mehr (eine Gallone reicht uns für ca. 2 Tage).
Fleisch und Fast Food sind viel billiger als in Deutschland. Dafür hat Hackfleisch hier ungefähr 50% Fett. Ich hab aber auch noch nie so viele so dicke Menschen gesehen. Preislich lohnt sich kochen nicht wirklich. Da sind 2-3 Dbl.-Cheeseburger vom Mäcces oft günstiger.
Letzte Woche haben wir nicht weit von unserer Wohnung einen Aldi gefunden. Das sieht da genau so aus wie in Deutschland und es gibt sogar Christstollen. Ein richtiger Glücksgriff war der Speck dort. Ist zwar nicht zu vergleichen mit dem, den es zu Hause oder bei der Oma gibt, aber es ist immerhin ein Anfang.
Getränke:
Wasser gibt es überall um sonst, also auch in Restaurants. Das ist dann halt Leitungswasser und schmeckt etwas nach Chlor. Zudem gibt es überall draußen und in den Gebäuden Trinkbrunnen, die man vielleicht in einigen amerikanischen Filmen oder Serien gesehen hat – sehr praktisch. In der Regel hat man aber auch überall Free-Refill. Bei den Auffüllautomaten hat man eine etwas größere Auswahl als in Deutschland. Die Hälfte davon besteht aber zu 99,9 % aus Zucker.
Alkohol:
...ist hier ein ganz heikles Thema. Unser Walmart hat noch nicht mal eine Lizenz Bier zu verkaufen. Alles was über 5% hat, muss sowieso in Liquor-Stores verkauft werden. Da sind aber die Regelungen von Staat zu Staat unterschiedlich. In West Lafayette haben sie im Walmart auch Hochprozentiges verkauft. Außerhalb von Privatgrundstücken ist Alkohol trinken verboten. Wenn man in der Öffentlichkeit mit einer Dose Bier erwischt wird, wird man ordentlich zur Kasse gebeten: '600$ bitte'.
Es scheint aber halb legal zu sein, wenn man den Alk in eine braunen Papiertüte einwickelt. Im Auto darf keiner trinken und es dürfen auch keine angebrochenen Flaschen im Innenraum rumfliegen.
Bars/Clubs:
Bars in den Staaten sind - nachdem was ich bisher gesehen habe - nicht ganz wie die Bars in Deutschland. Hier wird oft sehr laute Musik gespielt und oft ist auch eine Tanzfläche vorhanden. Stimmung ist oft gigantisch. Amis fangen auch früher an zu feiern, da die meisten Bars oder Clubs schon um 3 Uhr schließen. Dann kennt man entweder jemanden, der eine Hausparty schmeißt oder geht eben heim.
Leute:
...sind viel offener als in Deutschland. Man kommt sehr viel schneller ins Gespräch und lernt so viele neue Leute kennen. Was mir auch besonders gut gefällt ist, dass es hier das deutsche 'Sie' nicht gibt. Alle sind miteinander per du und sprechen sich nur mit den Vornamen an. Bis wir morgens anfangen zu arbeiten, gibt es auch immer erst ein wenig Smalltalk mit den Kollegen.
Alles hat natürlich seine Vor- und Nachteile. So ist das auch in diesem Fall: Viele kennen viele, sind aber nicht wirklich befreundet. Wie oft hab ich schon diesen Dialog eins zu eins miterlebt: 'Hi, wie gehts dir?'-'Hi, gut und dir?'-'Auch gut'-'Tschüss'-'Tschüss'.
Unglaublich ist auch wie freundlich viele sind. Wenn Leute zum Beispiel sehen, dass man Fotos schießt, kann man fast davon ausgehen, dass einem angeboten wird sich mit der kompletten Gruppe fotografieren zu lassen.
Was manchmal etwas seltsam ist, ist wie manche sich anziehen. Da kommt es schon mal vor, dass man mit Schlafanzug einkaufen oder mit Flipflops tanzen geht.
Ich kann nur sagen, dass ich unglaublich froh bin hier zu sein und es ziemlich genieße diese Erfahrung zu machen. Kanns mir auch durchaus vorstellen hier später mal für 2-3 Jährchen zu arbeiten.
Wenn man für immer hier bleiben will, muss man aber entweder gesund oder reich sein.
Sonst gibt es eigentlich nicht so viel zu berichten. Wir waren dieses Wochenende mächtig einkaufen, Andy hat sich das Ohr stechen lassen, mit etwas Glück hab ich morgen eine Zusage für ein Zimmer an der Uni und die Pläne für die Westküstentour werden immer konkreter. Fest steht, dass Johannes und ich 4 Wochen komplett im Westen bleiben und von Kanada bis Mexiko alles unsicher machen.
Bilder gibt es dieses Mal leider keine. Die paar Bilder, die wir geschossen haben, werde ich nächste Woche hochladen. Dafür werden es wahrscheinlich recht viele, da Bastian aus dem Norden runter kommt, um seinen Geburtstag zu feiern, eine große Museumstour ansteht und Halloween hier wie ein Nationalfeiertag ist.
Das wärs dann mal von meiner Seite. Jetzt dürft ihr berichten was in Deutschland so abgeht.
Eddy

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